Code.talks 2014 - Tag 2

Code.talks 2014 - Tag 2

Markus Günther 16. Oktober 2014 Konferenzen

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Nach einer kürzeren Nacht ging es wieder pünktlich ins Kino. Ein Vorteil eines so riesigen Events ist, man bemerkt nicht wenn einige wenige die Nacht nicht so gut überstanden haben. Auf kleinen Barcamps ist es häufig doch etwas schade, das potentielle Talks nicht zustande kommen, da etwas zu sehr gefeiert wurde.

Warum jeder Teenie einen RPi zu Hause haben sollte

Nach einer kurzen Stärkung am Frühstücksbuffet sollte es in meinem ersten Talk um die Ausbildung der zukünftigen Informatiker gehen. Ich selbst habe einen RaspberryPi zu Hause und ich hätte mir so etwas als Kind gewünscht. Es macht einfach sehr viel Spaß sich damit zu beschäftigen und ich konnte mir gut vorstellen, dass das die heutigen Jugendlichen auch so sehen.

Der Vortrag hat sich leider etwas anders entwickelt als gedacht. So kam es, dass ein doch sehr akademischer Vortrag mit militärischen Beigeschmack und einer Menge Martell, eher zu einer Komödie als zu einem informativen Vortrag wurde.

Doch die Grundinformation, dass das deutsche Schulsystem im Bereich der Informatikausbildung große Defizite aufweist würde ich als Mensch, der dieses System durchlaufen musste, unterschreiben.

Es bedarf mehr Anstrengung der Regierungen um die Jugend auf die Technologie von morgen vorzubereiten. Und an der ein oder anderen Schule sollte der Informatik-Unterricht lieber einen anderen Namen tragen als Informatik.

Falls ihr den letzten Betrag zu Tag 1 der Code.talks gelesen haben solltet, dann kennt Ihr ja schon appserver.io. Die Entwickler von appserver.io bieten übrigens auch eine Version für den Raspberry Pi zum Download an.

Swift in 45 Minuten

Als ein durchaus Apple-affiner Mensch habe ich mich natürlich auch schon mit der neuen Programmiersprache von Apple auseinandergesetzt. In dem Vortrag von Thomas Hanning dachte ich nun noch weitere Einblicke zu erhalten.

Doch leider muss ich sagen, das ich scheinbar schon zu viel Einblick in die Thematik hatte und so nicht sehr viel aus der Einführung mit nehmen konnte. Thomas hat sich viel Mühe gegeben und stand seinem Publikum mit Rat und Tat zur Seite. Doch rückblickend wäre ein bisschen mehr Praxis hilfreich gewesen um diese Thematik schneller zu erläutern - schließlich befanden sich fast ausschließlich Entwickler im Publikum.

Falls euch interessiert wie sich Swift als neue Sprache verhält, dann kann ich euch nur empfehlen die von Apple bereitgestellten Videos anzusehen. Es gibt auch ein kostenloses iBook von Apple zur Sprache Swift.

Code und Gesellschaft - macht was draus!

Nun kommen wir zu einem Vortrag von Nico Lumma. Nico ist jemand der auf Twitter unzählige Follower belustigen kann und das mit alltäglichen Themen wie einem Elternabend. Nun hat der liebe Nico mehr als ein Kind, bedeutet man hat auch mehrere lustige Abende in der Timeline.

Spass bei Seite, Nico Lumma arbeitet als Autor und freier Berater. Wenn ich mich nicht irre ist er seit 25 Jahren SPD-Mitglied und Mitbegründer des Vereins D64. Kurzum er ist einer der bekanntesten Persönlichkeiten im deutschen Netz und beeinflusst so auch einige unserer Politiker.
Nun hat sich Nico gedacht, was erzählt man als ehemaliger Entwickler all den anderen? Mit den modernen Technologien und der Art und Weise wie wir heute arbeiten, musste er uns nicht kommen, denn er selbst entwickelt seit geraumer Zeit nicht mehr. Doch er wollte uns Entwicklern in mehreren Punkten die Augen öffnen. Uns ein wenig tadeln und verbal in den Hintern treten.

Denn wie kann es sein das wir keine Lobby haben? Nach Aussagen von Nico ist die Kreativ-Wirtschaft genauso groß wie die Automobil- oder Chemieindustrie. Nur haben wir keinen Sprecher der für uns Lobbyarbeit betreibt. Und weil wir uns darum so wenig kümmern und den Politikern zu wenig sagen was wir brauchen - haben wir in technologischen Dingen eben Plätze am Ende von Europa eingenommen. Oder wie kann es sein das in Deutschland nicht jeder einen Breitband-Anschluss besitzt. Unsere Politik hat bis vor kurzem ja nicht einmal definiert gehabt was Breitband konkret ist. Und nachdem die Politik sich nun Gedanken macht, bekommen wir so Werte wie 50 Mbit für die Zukunft. 

Wir sehen schon, es gibt einige Themen die in Deutschland nicht so laufen und Nico würde das gern ändern und er versucht mit Beharrlichkeit und viel Geduld bei den Herren der Politik die Augen zu öffnen.

Doch neben der Infrastruktur ist das wichtigste Thema die Aus- und Weiterbildung. Nico meint: „Wer keine Programmiersprache lernt, versteht irgendwann das System nicht mehr und wird somit vom System selbst programmiert“. Damit hat er nicht ganz Unrecht und ich finde das wir in Deutschland viel mehr tun sollten.

In meinen Augen war das der beste Vortrag der Konferenz. Nico konnte mich mitreißen, inspirieren und hoffentlich auch zum Handeln bewegen. Doch ich kann das gar nicht alles in Worte fassen. Der Talk wurde aufgezeichnet und ich denke ihr solltet ihn einfach selbst anschauen.

OnConnectionLost: Das Leben einer Offline Web-Applikation

Wer von euch hatte nicht auch schon Apps auf dem Telefon installiert, die nach einer Weile den Dienst versagten, da die Verbindung gestört ist? Ich kenn das von vielen Konferenz-Apps. Schnell mal eben eine Web-App entwickelt und an die Konferenzteilnehmer verteilt. Doch nicht an die Tatsache gedacht, dass das ganze auch einmal Offline geöffnet werden kann - mit dem Internet läuft es ja nicht auf jeder Konferenz so gut.

Die beiden Entwickler von ThoughtWorks hatten nun ein Kundenprojekt bei dem gefordert war, dass die App auch Offline genutzt werden kann. Die Mitarbeiter des Kunden war scheinbar häufig auf Reisen und hatten nicht immer eine aktive Internetverbindung auf den Reisen. Doch die App sollte trotzdem von den Mitarbeitern weiter zum Lesen von Dokumenten, zum Erfassen von Ergebnissen und zum Hochladen von Bildern genutzt werden können.

Dies stellte das Team vor die Frage: „Können wir das auch alles mit einer HTML5 Web-App umsetzen?“ Und was soll man sagen, das Team hat die Herausforderung angenommen und mit HTML5-Technologien wie den App-Cache, IndexedDB und der File-API eine Anwendung entwickelt, die die Anforderungen des Kunden erfüllt und trotzdem vollständig mit Web-Technologien realisiert wurde.

Wenn die Jungs gewusst hätten mit welchen Problemen sie sich auseinander setzen müssen, hätten sie vielleicht einen anderen Weg eingeschlagen. Denn der Knackpunkt der ganzen Umsetzung ist die Tatsache das man Herr der Daten werden muss. Durch das dezentrale Speichern der Daten entstehen recht komplexe Szenarien beim Synchronisieren. Im schlimmsten Fall ist jemand so lange offline, das sich die Datenstruktur der Hauptdatenbank schon geändert hat und dann muss man Entscheidungen treffen um die lokal gepflegten Daten des Mitarbeiters in die neue Struktur zu bekommen.

Kurz um die Jungs von ThoughtWorks hatten viel Spass und mussten einiges an Gehirnschmalz in die Umsetzung stecken. Neben der Problematik haben Johannes Thönes und Lukasz Plotnicki noch auf viele weitere Fallstricke verwiesen.

Online ist zum Beispiel nicht immer gleich Online. So kann man nicht immer genau erkennen, ob eine Internet-Verbindung oder nur eine Netzwerk-Verbindung besteht. Und wenn die Verbindung da ist, reicht die Bandbreite auch für eine Synchronisation aus?

Wir sehen schon es gibt allerlei Probleme mit denen man sich auseinandersetzen muss, doch bestehen diese Problematiken auch wenn ich eine native Applikation entwickle.

Ich danke den beiden für diesen sehr gelungenen Erfahrungsbericht. Es hat trotz der Problemstellung  einen motiviert sich einmal eine Applikation mit HTML5-Technologien zu entwickeln.

Testing and Building AngularJS Applications

Wie der Titel schon sagt sollte es in dem für mich vorletzten Talk auf der Konferenz um das Testen von AngularJS Anwendungen gehen. Ich habe mich in der letzten Zeit ein wenig mit AngularJS beschäftigt und war sehr gespannt auf diesen Talk.

Leider ist die Session kurz vor Beginn abgesagt worden. Genaue Gründe wurden nicht genannt. Doch wie das auf einer Entwickler-Konferenz so ist - es findet sich auch mal spontan ein neuer Speaker. Große Anerkennung an Martin Naumann, der sich spontan und ohne Vorbereitung bereit erklärt hat die Session zu übernehmen. Er selbst hatte schon an einigen AngularJS Anwendungen gearbeitet und fühlte sich berufen uns nun etwas über Angular zu berichten.

Auf Grund der Spontanität wurde es nun zu einer Live-Coding Session. Nach einer kurzen Überprüfung des Wissenstandes des Publikums gab Martin eine sehr praxisnahe Einführung in AngularJS. Die Thematik des Testens konnte er leider aus Zeitgründen nur ankratzen. Doch allein für diese Spontanität und des Live-Codens ziehe ich meinen Hut. Falls ihr ein wenig Angular lernen wollt, kann ich euch den Kurs von Code-School empfehlen. Der Kurs ist von Google finanziert worden und somit für alle kostenlos.

Mit offener Kommunikation Projekte meistern

Im letzten Vortrag der Konferenz sollte es um offene Kommunikation gehen. Alle predigen uns immer Kommunikation ist das A&O … drum müssen wir uns hin und wieder einmal unser Wissen auffrischen.

Der Vortrag wurde von Judith Andresen gehalten. Als ehemals in Hamburg lebender Mensch kenne ich sie natürlich. Sie ist Mitorganisatorin der phpUnconference in Hamburg und ein gern gesehener Gast auf der PHP-Usergroup. Judith hat die Fähigkeit Menschen mitzunehmen und entsprechend gut sind auch immer ihre Vorträge.

Der Vortrag begann mit dem Aufhänger das 70% aller IT-Projekte scheitern. Doch sie scheitern nicht weil die Teams ihr Technologien nicht beherrschen. Sie scheitern fast immer an weichen Faktoren und einer davon ist die mangelnde Kommunikation. Wenn Teams offener miteinander reden würden, dann gäbe es höhere Erfolgsquoten bei der Umsetzung von IT-Projekten. Bedeutet die Projekte würden schneller, qualitativer und damit auch rentabler abgeschlossen werden.

Judith ist in ihrem Vortrag sehr auf die psychologischen Aspekte eingegangen um den Zuhörern klar zu machen, das es häufig Automatismen sind die zu einer schlechten Kommunikation führen.

Menschen beantworten sich Fragen zum Teil unterbewusst selbst und stellen diese wichtige Frage somit gar nicht in den Raum. Um eine offenere Kommunikation im Team zu haben muss zu allererst jeder bei sich selbst anfangen. Jeder muss in sich hineinhorchen und selbst Entscheidungen treffen. Die meisten Entscheidungen sind unbewusst und führen oft nicht zum Ziel. Man vermeidet die Konfrontation und gerade diese kann ein Projekt voranbringen. Probleme müssen angesprochen werden, sonst kann man sie nicht lösen. Es hilft keinem wenn er später sagen kann: “Ja das haben ich doch gleich gewusst.” Judith meint, dass der Mensch sich mit diesem Verhalten selbst belohnt und dabei Glückhormone ausgeschüttet werden. Das Projekt ist gescheitert, aber da ich schon vorher wusste, dass das nichts wird, hatte ich Recht und bin damit glücklicher. Man scheut also die Konfrontation, da es vorrangig Ärger bedeutet und belohnt sich unterbewusst lieber dafür das man ja wusste, dass das so nicht funktioniert.

Judith hat neben den psychologischen Erklärungen eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie die Kommunikation verbessert werden kann. Schaut doch einfach in Ihrem Blog die letzten Slides dazu an.

Fazit

Wie immer gingen die zwei Tage der Konferenz rasend schnell vorbei und man war geschafft und glücklich zu gleich. Es war eine tolle Erfahrung auf einer so großen Konferenz mit so breitgefächerten Themen zu sein. Man konnte wahrlich über seinen Tellerrand blicken und einiges an Inspirationen mitnehmen. Nach den Google Developer Days 2010 in Berlin war dies für mich die zweitgrößte Veranstaltung überhaupt.

Die Stimmung und das Umfeld waren so perfekt das es wahrscheinlich auch 2015, für mich dann schon zum dritten Mal, zur Developer Conference (jetzt Code.talks) gehen wird. Es ist einfach toll das man selbst in einem so großem Publikum so viele bekannte Gesichter wieder trifft. Danke an die Organisatoren, den vielen Helping Hands und natürlich an die Teilnehmer.


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