Code.talks 2015

Code.talks 2015

Philipp Nowinski 05. Oktober 2015 Konferenzen

2 Kommentare // Lesezeit: 7 min.

Am 29. und 30. September fand wieder die code.talks Konferenz in Hamburg statt. Wir waren mit vier Leuten dabei.

Die code.talks behauptet von sich das “Größte Klassentreffen der Entwicklergemeinde” zu sein — ein Titel der durchaus ins Schwarze trifft. Mit mehr als 1500 Teilnehmern und über 110 Vorträgen an zwei Tagen lässt sich die Konferenz zurecht als groß bezeichnen. Aufgrund dieser Größe trifft man hier auf jeden Fall auf viele bekannte Gesichter, was den Klassenfahrt Charakter stark ausmacht. Gleichzeitig hat man aber auch die Gelegenheit viele neue Leute kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Gleiches lässt sich auch über die Auswahl der Speaker sagen. Beim durchgehen des Programms konnte ich vorab schon einige bekannte Namen entdecken und mich auf deren Talks freuen. Aber auch einige der mir bisher unbekannten Speaker, haben mich durch ihre Vorträge zum Teil sehr positiv überrascht.

Der Nachteil bei Konferenzen mit vielen parallelen Sessions ist häufig, dass man vor der Qual steht sich für einen Vortrag entscheiden zu müssen und dadurch einen anderen, vielleicht ähnlich interessanten zu verpassen. Durch die enorme Themenvielfalt der code.talks, löst sich dieses Problem allerdings fast von alleine. Die einzelnen Tracks legen ihre Themenschwerpunkte so verschieden, dass zumindest ich keine Probleme hatte in jeder Session den richtigen Vortrag zu finden. Die meiste Zeit habe ich in Saal 2 verbracht, wo der Fokus auf dem Frontend lag.

Besonders gefreut hat mich hier nicht nur die Vielfalt und Tiefe der vorgestellten Themen und Techniken, sondern das deutlich spürbare Interesse daran. Vereinzelt waren die Vorträge so gut besucht, dass neben den Kinositzen auch noch die Treppen belegt wurden und für einen Vortrag sogar Interessenten wieder weg geschickt werden mussten, da der Saal zu voll wurde. Für mich hat dies nochmal deutlich gezeigt wie rasant sich die Frontend Welt in den letzten paar Jahren entwickelt hat. Es fühlt sich gut an zu merken, dass an allen Fronten nach vorne gedacht wird und an Stagnation nicht im entferntesten zu denken ist.

Neben den Vorträgen selbst ist allerdings das Ambiente und die Location selbst definitiv das Highlight der Konferenz. Das Cinemaxx am Dammtor sorgt mit seinen Kinoleinwänden für eine absolut unvergessliche Vortragsatmosphäre. Selbst in den kleineren Sälen ließen sich Code Beispiele bis in der hintersten Reihe problemlos lesen. Und auch das eine oder andere animierte GIF, oder Meme auf einer gigantischen Leinwand zu sehen, kann schon etwas besonderes sein :-D Ein weiterer Vorteil Vorträge in einem Kinosaal zu hören sind die bequemen Kinositze. Besonders am Morgen nach dem Social Event konnten diese ihre Vorzüge klar ausspielen.

So beeindruckend wie mancher Vortrag, war auch die Verpflegung. Dank des überaus leckeren Buffets musste wirklich keiner Hunger leiden. Und wer trotzdem zwischendurch ein leeres Gefühl in der Magengegend verspürte, konnte sich immer noch mit einer Cola und den kostenlosen Nachos oder Popcorn aus seiner Notlage helfen.

Das Social Event fand dieses Jahr im NoHo auf der Reeperbahn statt. Mit seinen vielen Ebenen und der beiden Dachterrassen auf dem obersten Floor ist dieser Club schon etwas besonderes. Bedingt durch den Diskocharakter des NoHos war es nur leider schwierig richtig mit anderen Konferenzteilnehmern ins Gespräch zu kommen. Dafür konnte bis in die Nacht hinein ausgelassen getanzt und gefeiert werden. Und auch wenn das Bier zwischendurch mehrmals aus war, konnte doch jedes mal relativ schnell für Nachschub gesorgt werden, so dass dem intensiven Feiern bis in die Nacht hinein nichts im Wege stand.

Abgesehen von der code.talks selbst ist Hamburg allerdings auch immer wieder eine Reise wert. Insbesondere wenn man dezentral miteinander arbeitet, ist es wichtig die Gesichter von Zeit zu Zeit mal nicht nur über den Bildschirm zu sehen. Deshalb haben wir unseren Aufenthalt noch auf den Donnerstag nach der Konferenz ausgedehnt, um gemeinsam zu essen, durch Hamburgs wunderschöne Innenstadt zu radeln und gemütlich über die Elbe zu schippern. So sind wir nach drei Tagen voller neuer Eindrücke, Feiern und guter Gesellschaft zwar alle sehr erschöpft, aber auch voller Tatendrang und guter Dinge nach Hause zurückgekehrt. 

Abschließend möchte ich noch kurz einige der für mich interessantesten Vorträge vorstellen. Leider gibt es keine Videomitschnitte der einzelnen Vorträge. Vielleicht ein Punkt der die code.talks im nächsten Jahr noch besser machen könnte?!

Dependency Injection in Angular 2

Dependency Injection ist eines der mächtigsten und zugleich verstecktesten Tools die wir in der modernen Softwareentwicklung haben. Pascal Precht hat zunächst sehr einfach erklärt was genau DI überhaupt ist und wie das Konzept technisch funktioniert. Auf dieser Grundlage konnte er dann gut zeigen wie sich das DI Konzept in Angular 2 weiter entwickelt hat und welche Probleme sich durch neue Strategien in der Implementierung lösen lassen. Besonders schön war, dass sich aus diesem Vortrag nicht nur Learnings für Angular 2 im speziellen mitnehmen ließen, sondern sich vieles auch auf andere SPA Frameworks, wie Ember, oder React übertragen lassen. Generell war es schön zu sehen, dass es einen regen Austausch zwischen allen großen Frameworks gibt. Ähnlich wie in der Welt der Browserhersteller, scheint man sich inzwischen mehr Gedanken um Standards und stärkere Entkapselung von Business Logik an das Framework selbst zu machen. Letztlich will doch jeder, dass das Web als solches gewinnt. Ein gutes Gefühl :-)

Tales from the crypt: JavaScript & the Internet of Things

Sebastian Golasch hat hier quasi einen Bericht von der Front des Internet of Things (oder iPhone Apps of Things) abgeliefert. In diesem kurzen Blick hinter die Kulissen zeigt er recht beeindruckend wie unglaublich viele Protokolle es für die Kommunikation zwischen den beteiligten Geräten gibt und wo diese zum Teil sehr beängstigende Lücken im Bereich Sicherheit und Privatsphäre aufweisen. Trotzdem man nach seinem Vortrag wohl ein zweites mal überlegt, ob einem die Kommunikation zwischen Kühlschrank und Kaffeemaschine nicht vielleicht doch eher zu riskant ist, zeigt er aber auch wie OpenSource ein großer Hoffnungsträger sein kann um die Vorteile der Home Automation zu nutzen, ohne sich dabei unnötigen Risiken auszusetzen. Beeindruckende Live-Beispiele, ein Plädoyer für OpenSource und außerdem eine imposante Demonstration dessen was mit JavaScript inzwischen so möglich ist.

There Is No JavaScript

Noam Kfir zeigt in diesem Vortrag schön wo JavaScript herkommt, zu was es sich entwickelt hat und warum es so verdammt merkwürdig ist. Kaum eine Sprache polarisiert Entwickler in so viele verschieden Lager, alle mit ihrer eigenen Strategie die Sprache zu vermeiden, zu verbessern, zu ersetzen, oder einfach so zu lieben wie sie ist. Nebenbei erklärt Noam viele grundlegende und für viele Missverständliche Features und Eigenheiten der Sprache. Noams Talk vermittelt einem nicht nur ein besseres Verständnis für die Sprache selbst, sondern auch ein Gefühl dafür, wo Erscheinungen wie TypeScript, CoffeScript, oder Dart herkommen und dass diese Polarisierung eigentlich auch gar keine schlechte Sache ist.

EcmaScript6 for real

Ecma Script6, der neue JavaScript Standard, steht vor der Tür. Zwar sind die meisten ES6 features nativ noch lange nicht flächendeckend einsetzbar, Wolfram Kriesing zeigt in diesem Vortrag aber sehr schön welche Features man schon jetzt mit Hilfe von Transpilern produktiv einsetzen kann. Definitiv ein Vortrag der einem Lust macht die Hände schmutzig zu machen und ein paar der neuen Features auszuprobieren. Mich hat dieser Talk zumindest motiviert einige Neuerungen die ich bisher eher skeptisch beäugt habe doch einmal auszuprobieren. Letztlich wird das Aufspringen auf ES6 einfach nur viel Umdenken im Kopf des Entwicklers bedeuten und es lohnt sich schon jetzt in das Thema einzusteigen.

Frontend JavaScript Testing in Practice

Testen ist wichtig. Jeder weiß es, für viele ist es trotzdem ein Thema das immer noch zu wenig Beachtung findet. Dave Brotherstone zeigt in diesem Talk wie Testing im Frontend heute aussehen kann und stellt dabei viele Tools vor die einem das Schreiben von Tests enorm erleichtern. Sehr beeindruckend zu sehen wie stark sich die Testingkultur in den letzen Jahren entwickelt hat und definitiv ein Motivationszünder.


2 Kommentare

Dateien hier ablegen
Dateien hochladen